Seit unserer zweiten Platte von Sarah Goldfarb vertreiben wir unser Label digital über Whatpeopleplay – unsere Tracks werden aber auch zum Beispiel über Beatport und iTunes vertrieben.
Kostenlose Downloads sind ein Problem, das es schon viele Jahre gibt. Wir sehen den Verkauf von MP3s wie er derzeit praktiziert wird durchaus kritisch und möchten auch die Nutzer, die sich entschieden haben, für Musik nichts zu bezahlen, nicht kriminalisieren. Letzenendes ist es Aufgabe der Musiklabels – also auch von uns -, das Angebot so attraktiv zu machen, dass die Kunden es auch bezahlen wollen. Das bedeutet, dass Kauf-MP3s einen Mehrwert gegenüber kostenlos angebotenen MP3s haben müssen. Auch wir arbeiten an neuen Wegen.
Was uns aber nervt, dass mit den von uns finanzierten Tracks Geld umgesetzt wird – ohne dass wir die Nutzungsrechte dafür gegeben haben und deshalb auch kein Geld für die Nutzung unserer Tracks bekommen. Es gibt Internetseiten, die systematisch auf Filesharing-Portale verweisen, auf denen unsere Tracks kostenlos downgeloaded werden können. Diese Tracks werden offensichtlich in MP3-Shops gekauft und auf diese Portale geladen. Auf den verweisenden Seiten wird Bannerwerbung verkauft, zusätzlich werden die User dieser Websites zum Abgeben von Spenden aufgefordert. Die Filesharing-Portale finanzieren sich über Premium-Accounts und teilweise ebenfalls über Bannerwerbung.
Ein paar Beispiele:
Minimal Freaks
Diese Website wirbt mit dem Claim “if music is your passion”. Die Betreiber – die auf der Seite nicht genannt werden – bieten systematisch eine Fülle von Neu-Releases an. Auch unsere neuen Tracks sind hier zu finden – und zwar inklusive Artwork und Release Notes – alles entnommen von Whatpeopleplay. Die Seiten sind voll mit Bannerwerbung und Donate-Buttons. Offensichtlich wird hier Geld umgesetzt, aber das Gefühl vermittelt, eine Community mit ideelen Zielen zu sein (Music – Passion).
Richtig ärgerlich wird es aber, wenn man auf den Download-Link klickt. Dann gelangt man auf die Seite Share-Online.biz der Firma Xslice AG mit Sitz in Belize. Hier werben große Deutsche Firmen wie Sixt, Deutsche Telekom AG oder Krombacher. Diese Unternehmen finanzieren ein Portal, auf dem Downloads ohne Nutzungsrechte kostenlos abgegeben werden. Nach unserer Aufforderung wurde der Link mittlerweile gelöscht (auf dem Screenshot unten sieht man den vorherigen Stand). Sicherlich haben weder Share-Online.biz noch die dort werbenden Unternehmen ein Interesse daran, kostenlose Downloads zur Verfügung zu stellen – faktisch tun sie das aber.
Auch das Portal Essential Electronic Music beinhaltet Bannerwerbung und fordert zum Spenden auf. Wer hinter der Seite steckt, ist ebenfalls auf der Seite nirgendwo vermerkt. Die Tracks stammen offensichtlich von unserem Vertriebspartner Juno in England.
Die Seite befindet sich als Subdomain auf dem Google-Portal Blogspot. Hier findet man Bannerwerbung für Ableton-Produkte. Ableton bietet u.a. Systeme für Digital-DJs an, also genau für jene Zielgruppe, die sich für hochwertige MP3s interessiert. Die kostenlosen Downloads, auf die verwiesen wird, befinden sich beim Filesharing-Anbieter Rapidshare aus der Schweiz (auch RapidShare hat nach unserer Aufforderung schnell reagiert und den Link gelöscht). Direkt neben dem Link zu Rapidshare wird für den Premium-Account von Rapidshare geworben. In der Werbung werden die Vorteile des Rapidshare-Accounts beschrieben. “Get your premium Rapidshare account now and get full speed download, no more wasting time to get your favourite music.” Ganz eindeutig wird hier Rapidshare als Musikdownload-Portal empfohlen.
Richtig zynisch wird es, wenn sich das Essential Electronic Music selbst erklärt: “All the content and links found on this site have already been present on the web and are result of our research on the net. The download links are given for trial purposes and are to be immediately deleted within 24 hours after donwloading. essential electronic music holds NO responsibility for the manner you will use the information found on this page. Supporting the artists by purchasing their music materials is strongly recommended by this site.”
Electronica Blibs
Elektronica Blibs verweist auf Essential Electronic Music und somit ebenfalls auf kostenlose Download-Möglichkeiten unserer Tracks. Hier befindet sich zum Beispiel Werbung des Erlanger Unternehmen Stayfriends.
Electronic Music
Electronic Music hat unsere Tracks offensichtlich von Beatport übernommen und verweist ebenfalls auf Rapidshare. Auch hier findet sich u.a. Werbung für Ableton-Produkte – und es liegt nahe, gleichzeitig darüber nachzudenken, dass es für den Erfolg von Ableton eigentlich egal sein müsste, ob die für die Nutzung erforderlichen Tracks gekauft oder kostenlos downgeloaded wurden. Auch Nokia wirbt hier für sein eigenes Musik-Angebot.




















ich schätze, dass die einnahmen aus bannerwerbung grade mal dafür reichen die infrastruktur zu bezahlen. viele der leute, die eure tracks illegal downloaden, hätten vielleicht anders nie von eurem label erfahren.
ich finde es auf jeden fall sehr aufrichtig von euch, dass ihr die links zu den anbietern auch brav postet.
willkommen in der wirklichkeit!
Wir sollen noch dankbar sein, dass solche leute uns aufmerksamkeit verschaffen? vergiss es!
Ich habe auch überlegt, ob ich die Links poste, aber finden tut man sie ja eh – und wie ich beschrieben habe: Wenn ein Hörer sich aus welchen Gründen auch immer dafür entscheidet, unsere Tracks nicht bezahlen, dann haben wir nichts dagegen. Aber diese Websites sind respektlos gegenüber Labels & Künstlern.
Hängt die Lumpen an den naechsten Baum!
(-;
Ich finde euer Radio sympatisch und gebe euch im Gegenzug ein paar Tipps.
Betreiber lassen sich immer über eine “whois” abfrage erfahren und zwar auf den seiten von denic.de (für .de domains ähnliche gibts überall im web) – da gibts auch immer ne email und ne adresse für den rechtsstand
Wenn die Links nicht auftauchen sollen, müsst Ihr hemmungslos abmahnen, damit verdienen Anwälte sogar ziemlich viel Geld.
Sicherlich sind Euch schon einige alternative Vertriebskonzepte bekannt – probiert Sie doch mal aus – zum Beispiel die Kulturflatrate etc. Der beste mir bekannte Blog zu dem Thema ist http://www.netzwertig.com (zum Beispiel: http://netzwertig.com/2009/01/21/wie-musiker-in-zeiten-des-internets-geld-verdienen-koennen/)
Gude Laune und Gruß
Lammbard
Wirklich ein sehr guter Artikel. Also rechtlich vorgehen möchten wir gegen niemanden, zumal diese Websites ja auch nicht wirklich Geld verdienen. Vom Prinzip her gehen sie ja auch den richtigen Weg. Querfinanzierung ist tatsächlich auch unsere Devise.
Wir werden noch ein bisschen Erfahrung sammeln und dann schauen, wie wir mit dem Thema Digital umgehen. Allerdings handeln eben auch nicht alle Menschen ökonomisch rational, sondern kaufen die Tracks – wir werden bald sehen, wie viele das wirklich sind.
http://www.ripblock.com/aboutus.php
interessant. besonders für die verkaufsstarken wochen nach dem release….
danke max!